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Rock im Allerpark: Kulturelles Leben in Zeitens des Sparens

Aufgrund der aktuellen Berichtungerstatung und all der Diskussion versuche ich mich heute mal daran, die Geschehnisse um das Festival Rock im Allerpark aus meiner persönlichen Perspektive zusammenzufassen: Im Oktober stand das Thema das erste Mal auf der Tagesordnung des Kulturausschusses und seitdem ist eigentlich nur eins klar:
Alle Fraktionen wünschen sich eine Fortsetzung des erfolgreichen Festivals – daran gab es niemals Zweifel. Das Aus von Rock im Allerpark wollte und will niemand!
Rock im Allerpark braucht deshalb auch keine selbsternannten Retter! Also, zurück auf eure Plätze, Herrschaften!


Was das Festival wirklich braucht, ist Geld, denn das ist in Wolfsburg in Zeiten des Sparens (wir erinnern uns: Gewerbesteuereinnahmen sinken, Personalkosten steigen) naturgemäß knapp. Allein im Kulturbereich müssen 350.000€ gespart werden. Zur Info: Rock im Allerpark kostet insgesamt 95.000€, wovon 15.000€ durch die Wob AG übernommen werden, die im Übrigen auch das Gelände stellt. Die verbleibenden 80.000€ sind also derzeit weder „bescheidene Summen“ noch „Peanuts“, auch wenn einige Politiker das nach wie vor behaupten.

Was mich dazu bringt, was das Festival noch braucht: Verantwortungsvolle Politiker, die im Rahmen der laufenden Haushaltsberatungen entscheiden, wo die benötigten 80.000€ zur Durchführung des Festivals herkommen sollen.
Die FDP hatte anfäglich vorgeschlagen Eintrittsgelder für das Festival zu nehmen. Immerhin mal ein Vorschlag, aber dennoch eine Idee, die unsere Fraktion nicht unterstützen wollte, wie Svante Evenburg für uns als Mitglied im Kulturausschuss in diesem auch sehr deutlich machte. Wir wollen, dass Rock im Allerpark weiterhin kostenlos bleibt – basta! Die PUG schlug vor, dass man das Festival vielleicht alle zwei Jahre stattfinden lassen könne. Uns gefiel an dem Vorschlag, dass man das Festival langfristig in der Stadt etablieren kann, auch wenn es aufgrund der Kosten dann nur alle zwei Jahre stattfinden könnte. So haben wir im Rahmen unserer Haushaltsberatungen beschlossen, die Förderung der Städtischen Galerie um 40.000€ jährlich zu kürzen, sodass die 80.000€ für Rock im Allerpark alle zwei Jahre zur Verfügung stünden. Leider war unser Vorschlag finanztechnisch nicht umsetzbar.* Was blieb, war der Wunsch nach einer langfristigen Etablierung des Festivals, sodass wir gemeinsam mit der CDU, PUG und Grünen einen Antrag einreichten, der hierfür die Grundlage schaffen soll.

Mit dem Haushalt dieser Stadt verhält es sich nämlich so: Es gibt nach wie vor keinen Spiel- und Gestaltungsraum für politische Forderungen und Wünsche. Aus diesem Grund muss eine verantwortungsvolle Politik notwendigerweise Einsparungen vorschlagen, wenn sie zusätzliches Geld ausgeben will.** SPD und FDP bieten jedoch keinen Vorschlag zur Finanzierung, sondern wünschen sich, dass die Stadt die 130.000€ für beide Veranstaltungen zur Verfügung stellt („hex hex!“), fordern die Verwaltung darüber hinaus nur auf, sich doch mal um zusätzliche Geldgeber zu kümmern. Kann man machen, hat aber nichts mit gewissenhafter Haushaltspolitik zu tun.

Sicherlich ist unser interfraktioneller Antrag ein Kompromiss, aber kulturelles Leben in Zeiten des Sparens ist ein Grenzgang zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und Haushaltsrunden sind keine Komfortzone, sondern schwierige und wichtige Arbeit, welche Politiker braucht, die verantwortungsvolle, nachhaltige und zuweilen unpopuläre Entscheidungen treffen. Keine Retter und Helden, sondern Macher!

Wir sind gespannt, wie die Diskussionen im heutigen Ausschuss für Finanzen und Controlling laufen werden und freuen uns drauf. Wir hoffen, dass Rock im Allerpark kein einmaliges Ereignis in 2015 wird, sondern in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden kann und auf sicheren finanziellen Beinen steht!

Eileen

 

*Wir sind keine Finanzler, lernen aber  immer mehr dazu. Keine Sorge.

**Das hat unsere Fraktion übrigens, als einzige Fraktion im Rat der Stadt Wolfsburg bereits im Rahmen der letzten Haushaltsberatungen (Streichungen aus dem Investitionsprogramm 2014) und auch dieses Jahr wieder gemacht (Haushaltspolitische Maßnahmen 2015).

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