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Graffiti, Wände & Politik

In der letzten Woche haben wir den Antrag  gestellt, im Allerpark eine neue Graffiti Wand zu errichten, um Graffiti als Kunstform in dieser Stadt zu erhalten. Nötig wurde dieser Antrag, weil die bisher legalen bzw. geduldeten Flächen in der Dieselstraße und am Reislinger Betonwerk in absehbarer Zeit durch Abriss verschwinden werden.

In den vergangenen Tagen haben wir, vor allem aus der Szene, viele Rückmeldungen erhalten, die uns in unserem Vorhaben bestärkten, denn aus der ganzen Region kamen in den vergangenen 20 Jahren Künstler nach Wolfsburg, um an der Hall of Fame Kunstwerke zu schaffen. Die Aussicht, diese Institution urbaner Subkultur bald nicht nicht mehr nutzen zu können, sorgt für berechtigtes Unverständnis.

Kritik an unserem Antrag erreichte uns bisher nur über die Presse. Axel Bosse von den Grünen
meint, eine eigene Wand im Allerpark sei ein Zeichen von zu viel Geld in Wolfsburg. Er schlägt vor, eine bestehende Wand in Sandkamp zu nutzen. Zu diesem Vorschlag möchte ich  ein paar Ausführungen machen:

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, eine bestehende Wand für legale Graffiti freizugeben. Wir als Piraten wünschen uns das sogar. Leider ist aber seit 1994 in diese Richtung rein gar nichts passiert. Es gibt außer den beiden genannten Flächen in Wolfsburg keinen Bereich, in dem Graffitikünstler unabhängig ihre Kunst ausüben können. Dieser Mangel wurde bisher auch nicht ernsthaft angegangen und das, obwohl Verwaltung und Politik seit geraumer Zeit um das Problem wissen. Dem Kulturdezernenten
Herrn Muth (Grüne) war die Existenz der Hall of Fame nicht einmal bekannt. Unser Antrag wurde dementsprechend auch nicht dem Kulturausschuss zugeordnet, sondern dem Jugendhilfeausschuss. Soviel zum Stellenwert von Graffiti im Speziellen und Subkultur im Allgemeinen innerhalb der Kulturverwaltung.

Wenn Herr Bosse nun unseren Antrag kritisiert, vergisst er leider, dass die Grünen, auch zu seiner Zeit als Ratsmitglied, das Thema Graffiti vernachlässigt haben. Sicher, es wurde der
Kulturentwicklungsplan erarbeitet und verabschiedet, nur wurde keine Ratsfraktion auf Grundlage dieses Plans tätig, um weitere Flächen tatsächlich freizugeben. Ich bin nun ziemlich irritiert, die Wand in Sandkamp vorgeschlagen zu bekommen. Die steht ja nun nicht erst seit gestern und wenn sie so toll geeignet ist, hätten die Grünen sie in den vergangenen Jahren doch ruhig mal vorschlagen können.  

Stattdessen ist zum Thema Graffiti nichts gekommen und das, obwohl nun schon seit längerem bekannt ist, dass die bisherigen Flächen nicht mehr lange existieren werden.

Den Vorschlag von Herrn Bosse greifen wir im
Jugendhilfeausschuss am 1. Juli  (noch nicht online abrufbar) dennoch gerne auf. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, für die Wand in Sandkamp die Nutzbarkeit zu klären und dennoch eine Wand im Allerpark zu errichten. Graffiti existiert, wie jede Kunstform, ja nicht für sich selbst, sondern lebt durch den Betrachter. Der Allerpark als zentrales Naherholungsgebiet bleibt meiner Meinung nach ein idealer Standort für eine neue Hall of Fame.

2 Kommentare

  • art45
    15. Januar 2016 - 18:39 | Permalink

    Ist der Antrag noch Aktuell und wird bearbeitet oder wurde er Abgelehnt?
    Eine zweite Graffiti Hall of Fame wäre für sehr viele Jugendliche vom großem Vorteil. Die Hall of Fame in Reislingen zähle ich nicht mit denn aus meiner sicht kann man es nicht Hall of Fame nennen wenn man eine schon mit gras bewachsene Wand besprüht. Lg

    • Svante Evenburg
      1. Februar 2016 - 16:07 | Permalink

      Hallo art45,

      der Antrag liegt bei der Verwaltung, die diesen im Rahmen ihrer Jugendplanung berücksichtigen will. Den aktuellen Sachstand fragen wir gerne in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses nach.

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