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Monats-Archiv: März 2012

14.03.2012 Bildungscampus, Schulausschuss, Verwaltungsausschuss,

Ein prall gefüllter Nachmittag, an dem es von Termin zu Termin geht.

Heute habe ich mich mal verspätet!
Ich werde nicht detailliert berichten, sondern eher- meine Meinung – darstellen.
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass bezüglich der Bezeichnungen „Bildungslandschaft“ und „Bildungscampus“ dringend eine eindeutige begriffliche Zuordnung vorzunehmen ist.
Ich favorisiere hier eindeutig „Bildungslandschaft“ als eine intelligente Vernetzung von über das ganze Wolfsburger Stadtgebiet verteilte Bildungsorte zu definieren und „Bildungscampus“, wenn es denn überhaupt beim Wort „Campus“ bleiben soll/muss, als ein bestimmtes (wahrscheinlich am Klieversberg liegendes) Gebiet, auf dem sich „Bildungshäuser“ befinden.
Jetzt zum Alvar Aalto Kulturhaus und einem wie auch immer gearteten Neubau.
So sehr allen (?) das Alvar Aalto Kulturhaus am Herzen liegt, so wichtig ist es aber auch gleichzeitig, sich der Zukunft nicht zu verschließen. In Zeiten, in denen der technische Fortschritt rasant voranschreitet, Informationen immer schneller verbreitet werden und zugänglich sind, Nachschlagewerke aller Art in Buchform schnell an Aktualität verlieren, in Schulen herkömmliche Tafeln durch Smartboards ersetzt werden, Laptopklassen eingerichtet werden/wurden muss auch eine Bibliothek den neuesten Erkenntnissen und Erfordernissen – auch in der Lern- und Gehirnforschung – gerecht werden, wenn sie zukunftsweisend sein will. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dürfen nicht durch Technikfeindlichkeit ausgegrenzt und schlichtweg „vergessen“, auch wenn derzeit mehr ältere als jüngere Menschen in der Stadt wohnen, so haben wir es doch immerhin mit 22888 Einwohnern bis 25 Jahre, davon 13035 zwischen 6 und 17 Jahren, zu tun. Diese sind, abzüglich derer, die mit erreichtem Abitur mangels geisteswissenschaftlicher und anderer Studienangebote abwandern, unsere Zukunft. Daher darf sich die Politik nicht erlauben, deren Bedürfnisse zu vernachlässigen, es handelt sich hier ja schließlich auch um (zukünftige) Wähler. Wenn Wolfsburg außerdem die sogenannten „bildungsfernen“ Schichten an Bildung teilhaben lassen und integrieren will, so müssen auch die Schwellen zu Bildungsorten niedriger werden.
Auch die Idee, eine Art Bildungshaus zu bauen, in dem beispielsweise eine Volkshochschule und eine Bibliothek verortet werden, ist grundsätzlich eine gute! Erinnert man sich an das Kulturzentrum, so begann dieses auch als „Zusammenspiel“ von VHS und Bibliothek. Nun ist dieses Gebäude „in die Jahre“ gekommen, selbst das Bibliothekspersonal klagt über Platzmangel, es ist also Zeit, neu zu denken! Dieses Denken sollte aber nicht allein Verwaltung und Politik überlassen werden, sondern muss den Bürger, auf welche Art auch immer, aktiv einbeziehen – und sei es durch einen Ideenwettbewerb auch für Schulen!
Und es darf nicht ein entweder – oder geben zwischen Alvar Aalto Kulturhaus und einem Neubau, sondern es muss ein konsensfähiger Kompromiss gefunden werden! Denkt man jetzt weiter, heißt dies, dass wiederum ein Konsens erreicht werden muss zu einer sinnvollen und den Erwartungen und Bedürfnissen der (älteren) Bürger entsprechenden „Nachnutzung“ des Alvar Aalto Kulturhauses. Dies ist ein äußerst sensibles Thema und sollte dementsprechend sensibel und nicht unter Zeitdruck angegangen werden! Es gibt noch zwei weitere bedenkenswerte Aspekte, nämlich, dass dem Bürger klar sein muss, dass hier nicht etwas nur für die Neue Schule gedacht wird und dass es auf keinen Fall, sollte es zu einem Neubau kommen, keinen Fall so viele Pannen und Folgekosten wie beim Phaeno geben darf!
Zu einer modernen, fortschrittlichen, familienfreundlichen Wohlfühlstadt im Grünen gehört auch ein modernes, fortschrittliches, familienfreundliches Wohlfühl-Bildungshaus (im Grünen).
Zu Selbstlernzentren, die ich als Lehrer mit 30 Jahren Berufserfahrung sehr kritisch betrachte und gezielt hinterfrage, äußere ich mich hier erst einmal nicht, das würde zu sehr ausufern und mir fehlen hier eindeutig noch zu viele Informationen, um eine dezidierte Stellungnahme abgeben zu können.
Zur Schulausschuss-/Ortsrat-Sitzung mit nur einem Tagesordnungspunkt nur kurz: Es war ja wohl klar, dass niemand dagegen stimmen würde, das Außengelände der GS Ehmen neu zu gestalten. Es war absolut unnötig, hierzu noch ausführlich zu erinnern, zu kommentieren und vorab bekanntzugeben, dass dafür gestimmt würde.
Zum Verwaltungsausschuss sei hier gesagt, dass m.E. grundsätzlich unterschieden werden muss zwischen der Außenwirkung von Sitzungsteilnehmern und der Benutzung neuer Medien während einer Sitzung!
Würden wir Ratssitzungen live streamen, wie es u.a. in Köln, Konstanz, Zwickau, Weimar, Jena, Gera, Kiel, Konstanz, Hamburg und inzwischen auch in Braunschweig und Helmstedt
praktiziert wird, bräuchte man nicht die Abstimmungsergebnisse mit dem eigenen Laptop zu veröffentlichen.
Würden endlich alle auf die so beliebte Papierform verzichten und die Vorlagen, Kenntnisgaben, Berichte … am Laptop, Netbook … aufrufen, würden Berge von Papier / Umschlägen und somit auch Geld gespart werden – man beachte allein den Berg Altpapier nach Sitzungsende!
Fraktionsübergreifend werden ja durchaus (leider auch laut klingelnde) Handys, Smartphones usw. benutzt, zum Problem scheint das für einige aber erst zu werden, seit über diese Medien politische Inhalte veröffentlicht werden anstatt sich die Zeit mit Sudoku zu vertreiben.
Nun zur Außenwirkung, das ist ein wesentlich komplexeres Thema:
Wenn Zuschauer nach Ratssitzungen mangelnde Aufmerksamkeit von Sitzungsteilnehmern beanstanden, so muss diese Kritik erst einmal wesentlich transparenter vermittelt werden, damit nachvollziehbar ist, was eigentlich genau kritisiert wurde, damit reagiert werden kann!
Wen genau haben die Zuschauer denn im Blick, wenn sie im Ratssitzungssaal auf der Tribüne sitzen und wen genau trifft denn nun welche Kritik?
Zur Außenwirkung sei auch einmal darauf hingewiesen, dass Psychologen davon ausgehen, dass es nur 30 Sekunden dauert, bis das Bild vom Gegenüber entstanden ist. Und das ist oft nur schwer zu revidieren. Grund genug, sich auch Gedanken zum eigenen Erscheinungsbild zu machen.
Es ist sicherlich auch nicht förderlich für die Außenwirkung, wenn man während einer Sitzung knisternd einen Schokoriegel auspackt und diesen genüsslich verspeist, sich ungehemmt mit dem Nachbarn unterhält, wenn jemand an alle spricht oder nicht in der Lage ist, sein Handy stumm oder gar auszuschalten.
Äußerst interessant ist es auch, wenn sich Menschen im Ratssitzungssaal befinden, die von den Lippen lesen können…
So gelangt man wieder zum leidigen Thema Geschäftsordnung…. siehe meinen Eintrag vom 05.03.
Sollte der Gebrauch elektronischer Medien in Ratssitzungen wirklich per GO verboten werden, ruft das nur noch mehr Unverständnis und Unwillen beim Bürger hervor.

Piri

15.03.2012 Haushaltsrede

– es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Herr Oberbürgermeister & Anwesende,
die Piraten als Neulinge im Rat der Stadt Wolfsburg danken zunächst einmal den Kollegen in den zahlreichen Ausschüssen für die teilweise sehr geduldig und durchgehend konstruktiv durchgeführten Haushaltsberatungen. Insbesondere danken wir der Verwaltung für die schnelle Beantwortung all unserer Fragen.

Mit dem uns heute vorliegenden Haushalt könnte man sicherlich zufrieden sein. Zahlreiche Anträge sind berücksichtigt worden und wichtige Projekte für die weitere positive Entwicklung unserer Stadt werden heute auf den Weg gebracht.
Besonders freut es uns natürlich, dass nach vielen Jahren nun endlich die Sanierung des Jugendhaus Ost angegangen wird, womit eines unserer zentralen Wahlkampfthemen bereits im ersten Anlauf realisiert wird.
Piraten versprechen nichts, aber Piraten kämpfen für ihre Ziele, und das in diesem Falle erfolgreich.
Hier möchte ich auch dem Aktionsrat des Ost für die Zusammenarbeit und das Engagement, dem Ortsrat Stadtmitte und der SPD-Fraktion, die ja ebenfalls Anträge eingebracht haben, und natürlichen allen Beteiligten im Jugendhilfeausschuss für die einstimmige Empfehlung danken. Muchas gracias.

Die konsequente Fortführung der Modernisierungsprogramme für Schulen, Sportstätten und KiTas, die in diesem Haushalt ebenfalls beschlossen werden, helfen, die Lebensqualität in unserer familienfreundlichen Bildungsstadt zu steigern. Auch das ist sicherlich ein Grund zur Freude.

Noch mehr freuen wir uns, dass die Stadt Wolfsburg als eine der wenigen Kommunen unserer Bundesrepublik sich all diese Maßnahmen überhaupt leisten kann.

Aber ist das wirklich so?

Vorgelegt wurde uns zunächst ein ausgeglichener Verwaltungsentwurf, in dem allerdings keinerlei finanzieller Spielraum für Anträge der Fraktionen und Ortsräte vorgesehen war. Ein Defizit nach den Haushaltsberatungen war also vorhersehbar. Zumindest wenn zu dieser Planung der Verwaltung eine Antragsflut der politischen Akteure hinzukommt, die ausschließlich Budgeterhöhungen umfasst, ohne sich mit Einsparpotentialen zu befassen, wie wir es beispielsweise bei dem Vorschlag zur Zusammenlegung von Stadtteil- und Schulbibliotheken angedacht hatten.

Für die Zukunft wünschen wir uns daher:
Spielraum für Fraktionsanträge einzuplanen,
wesentlich frühere Bekanntgabe der Restmittel,
Kürzungsmöglichkeiten offen auszuweisen,
gemeinsam über langfristige Einsparpotentiale nachzudenken
und den Haushalt 2013 intensiv unter den Prämissen „Wo muss ich Geld ausgeben?“ und „Wo will ich mal kein Geld ausgeben?“ zu betrachten.

Bereits in den vergangenen Jahren wurde regelmäßig ein völlig unrealistischer Investitionsplan verabschiedet, der in seiner Fülle nie abgearbeitet werden konnte und heute weiter aufgebläht wird. Den Versuch, dieses Problem durch eine Prioritätenliste seitens der Verwaltung anzugehen, halten wir für den falschen Weg.
Stattdessen müssen wir als Ratsmitglieder im Einvernehmen mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie der Verwaltung unseren Gestaltungswillen erkennen lassen und uns selbst darüber verständigen, was wir in den nächsten Jahren dieser Ratsperiode tatsächlich für unsere Stadt erreichen wollen und vor allen Dingen können!

In Zukunft brauchen wir zusätzlich dazu echte Diskussionen über die Sinnhaftigkeit einzelner Projekte im Gesamtkontext des Haushaltes ebenso wie eine Überprüfung der Effizienz einzelner Maßnahmen.
Wir sind sicher, dass an diesen beiden Stellen durchaus noch Geld „versteckt“ ist. Das Problem ist doch, dass wir den Haushaltsplan in diesem Jahr unter der Annahme von Gewerbesteuereinnahmen in Rekordhöhe aufgestellt haben. Der einzige Weg für uns nun, das durch die Beratungen entstandene Defizit zu beseitigen, ist wiederum die Annahme eines noch höheren Rekordergebnisses. Dieser Griff in die monetäre Trickkiste wird auf Dauer nicht funktionieren!
Daher sollten alle im Investitionsprogramm 2012 aufgeführten und noch nicht beschlossenen Maßnahmen,  wenn sie als Beschlussvorlage eingebracht werden, äußerst genau und objektiv geprüft und nicht nur abgenickt werden!

Um einen der letzten Verteidiger der römischen Republik zu zitieren: Non intellegunt homines, quam magnum vectigal sit parsimonia – Die Menschen erkennen nicht, eine wie große Einnahme Sparsamkeit ist.

Sollten wir die jetzt vergleichsweise rosigen Zeiten nicht nutzen, um Rücklagen zu bilden?
Neben dieser bleiben für uns die folgenden Fragen nach wie vor offen:
– Welche Einsparpotentiale liegen in der Konzeption und Umsetzung einzelner Projekte?
– Wie kann ich die Ansätze im Investitionsplan auf ihre Plausibilität überprüfen?
– Welche Investitionsplanungen werden in 2012 auch wirklich umgesetzt werden können?
– Was tun wir eigentlich, wenn uns die Gewerbesteuereinnahmen, ich erinnere an das Jahr 2007, kurzfristig doch wegbrechen?
– Wie können wir zu einer tatsächlich ganzheitlichen Haushaltsplanung kommen und uns von den Inselbeschlüssen der Ausschusslesungen lösen?
– Wie kann ich einen Haushalt auf Zitat: „Noch mehr Bürgerorientierung“ ausrichten, wenn ich weder die Orientierung der Bürger kenne noch eine konkrete Bürgerbeteiligung initiiere? Denn unter Bürgerbeteiligung verstehen wir mehr, als das Entsenden von Parteipersonal in Ausschüsse und nichtöffentliche Beiräte.
– Und schlussendlich: Wie kann ich als Ratsmitglied einen Haushalt mit verabschieden, von dem ich nicht das Gefühl habe, ihn in seiner Tragweite und Gänze komplett nachvollziehen zu können?

Besonders die letzte Frage halte ich für elementar. Der Haushalt enthält sicherlich sinnvolle Ansätze und wir wollen als Fraktion auch nicht gegen ihn stimmen. Aber da wir eben diese Fragen haben und nicht der Meinung sind, den Haushalt zu diesem Zeitpunkt vollständig zu durchblicken, werden wir uns bei der Verabschiedung enthalten. Und ich appelliere an jeden von Ihnen, der ebenso noch Zweifel hegt, auch über eine Enthaltung nachzudenken.

06.03.2012 Strategieausschuss

Weil wieder viel vorgestellt (WMG) und erläutert wird (Bevölkerungsentwicklung, Konzept 2020+), der Teilhaushalt besprochen und ansonsten recht viel angemerkt wird, und ich mich noch in meiner „einäugigen Phase“ befinde, verweise ich einfach auf das Protokoll, das hier zu finden ist: http://ratsinfo.wolfsburg.de/buerger_session/ydocstart.asp , wobei der im Protokoll angekündigte Anhang offenbar nicht angefügt wurde.

21.02.2012 Sportausschuss

An dieser Sitzung konnte ich wegen meiner Augen-OP eine Woche zuvor nicht teilnehmen, offensichtlich wurde versäumt, mich zu entschuldigen. Das Protokoll findet man hier:http://ratsinfo.wolfsburg.de/buerger_session/ydocstart.asp

Piri

01.03.2012 Fraktionssprecherkreis oder “Es ist ja, wie’s ist”

Bislang habe ich mich „vornehm“ zurückgehalten, waren die Piraten doch zuerst in einer Beobachtungs- und befinden sich jetzt in einer Lernphase. Kann sein, dass es jetzt polemisch/emotional wird, aber:
Eingangs möchte ich feststellen, dass ich erstens grundsätzlich ein Problem habe, wenn Menschen “durch die Blume” sprechen und nicht ganz einfach sagen, was sie eigentlich wollen und/oder meinen. Ich kann mit konstruktiver und offener Kritik wesentlich besser umgehen als mit verklausulierter.
Ich habe zweitens keinerlei Verständnis für in Sitzungen klingelnde Handys. Es ist sicherlich erlernbar, wie man solch ein Mobiltelefon stumm- oder gar ausschaltet.
Ich freue mich drittens, wenn die Presse uns/mir wichtige Themen aufgreift.
Es macht mir viertens gar nichts aus, dass sich eine von mir im Bauausschuss spontan geäußerte Idee flugs im Antrag einer anderen Fraktion wiederfindet.

Auf eine mir nicht ganz verständliche, aber offensichtlich an mich gerichtete Bemerkung hinsichtlich unserer Anträge zur GO gebe ich zur Antwort, dass die Piraten zweimal zu einem interfraktionellen GO-Treffen eingeladen haben.

– Jetzt folgt zuerst einmal eine chronologische Aufstellung und ich hole länger aus Bereits am 29.09. und am 12.10. hatte im Rathaus Sitzungen zur GO beigewohnt, wir hatten damals noch keinen Fraktionsgeschäftsführer. Im Protokoll ist nachzulesen, welche Anregungen/Wünsche ich schon zum damaligen Zeitpunkt äußerte.
In der Annahme, dass bereits in der konstituierenden Ratssitzung am 02.11. auch die
neue GO verabschiedet werden sollte, beschlossen wir, interfraktionell einzuladen und
daran zu arbeiten, um über alle bestehenden Änderungswünsche gemeinsam zu
diskutieren. –

Die erste Einladung, das gab ich auch unumwunden zu, erfolgte recht kurzfristig.

– So saßen wir mit unserer Basis am 23.10. zusammen und arbeiteten in einer zehnstündigen Marathonsitzung an der GO. Bereits einen Tag später, am 24.10., verteilte ich in einer Sitzung mit dem damaligen OB an alle Anwesenden unsere Änderungsvorschläge in der allseits so beliebten Papierform. Zudem wurde mir von der Verwaltung zugesichert, dass geprüft werde, inwieweit unsere Anträge auch rechtlich konform sind.
Am 25.10. reichten wir vorsorglich drei Anträge zur GO ein, die wir in der ersten Ratssitzung allerdings zurückstellen ließen.
Bei jeder diesbezüglichen Nachfrage meinerseits in den folgenden Wochen war stets
erkennbar, dass sich niemand so recht mit unseren Vorschlägen/Anträgen befasste
geschweige denn diese diskutierte. Es wurde dann ja beschlossen, erst im März
zur GO abzustimmen. –

Wir waren nach wie vor offen und kompromissbereit und luden ein zweites Mal ein.

– Es erreichte uns nicht mal eine Handvoll Absagen, zum anberaumten Treffen erschien niemand. –

Den geplanten Antrag zum Live-Streaming haben wir zunächst ganz auf Eis gelegt und wollen dazu noch einmal in Gesprächen zu überzeugen versuchen.

– Weil uns sehr am Streaming gelegen ist, wir intensiv dazu recherchiert und Kontakte aufgenommen haben, schwebt uns auch vor, Ratsfraktionen, vorzugsweise von der SPD, aus anderen Städten, zum Beispiel aus Braunschweig, einzuladen, wo das Streaming schon praktiziert wird. Auf den Gedanken, hier noch mehr Überzeugungsarbeit leisten zu müssen, kamen wir schon am Abend des 06.12, als wir
im Schloss Mitgliedern der SPD-Fraktion gegenübersaßen und deren Bedenken vernahmen. Ich bin übrigens nach wie vor der Meinung, dass kein Wolfsburger Bürger alle Ratsmitglieder namentlich kennt und kein Ratsmitglied wirklich so wichtig ist, dass jemand sich die Mühe macht, um es bei Youtube zu verunglimpfen. Aus dieser Hinsicht muss bestimmt nichts befürchtet werden. –

Wir werden unsere Anträge also aufrechterhalten schon allein wegen der Signalwirkung. Aber jetzt wird die Abstimmung zur GO sogar in den Mai verlegt.

Es folgte dann die Bemerkung / Anklage/ der Vorwurf? von anderer Seite, ich hätte geschrieben, …. wäre zu spät gekommen, dreimal aufgestanden usw. Darauf ging ich nicht ein, weil mir das Gesagte nicht konkret genug war. Ich habe auf Verspätungen hingewiesen, aber das wurde mir in einem Fall nicht krumm genommen. In Schule werden Verspätungen übrigens penibel im Klassenbuch festgehalten. Einerseits finde ich es erfreulich, dass unser Blog – auch von der Verwaltung – gelesen wird, andererseits muss aber auch genau gelesen werden. „Veröffentlicht“ unter der Überschrift heißt halt veröffentlicht, aber eben nicht „verfasst“. Wer den jeweiligen Eintrag geschrieben hat, ist am Ende des Textes zu erkennen!

– Hier folgt jetzt ein weiterer Exkurs:

Auf der Ebene der Vereinten Nationen ist die Meinungsfreiheit in Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gewährleistet: Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.
Für die Mitgliedsstaaten des Europarats schafft Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention einen Mindeststandard für die Meinungsfreiheit.
Innerhalb der Europäischen Union ist die Meinungs- und Informationsfreiheit in Artikel 11 der mit dem Vertrag von Lissabon in Kraft getretenen Charta der Grundrechte niedergelegt. In Artikel 5 Absatz 1 GG heißt es (verkürzt):
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten (…) Eine Zensur findet nicht statt.
Beschränkungen der Meinungsfreiheit dürfen in den meisten Demokratien keine abweichende Meinung unterbinden, sondern nur zum Staatsschutz oder zum Schutz anderer wichtiger Interessen wie dem Jugendschutz eingesetzt werden. Repression, also Sanktionen nach erfolgter Meinungsäußerung, ist meist nur zum Schutze höher- und gleichrangiger anderer Güter erlaubt, aber nur auf der Basis eines ausreichend die Einschränkung detaillierenden rechtmäßig verabschiedeten Gesetzes. Allgemein verbreitete Einschränkungen der Meinungsäußerungsfreiheit sind (nicht abschließend):
• der Schutz der persönlichen Ehre gegen Beleidigung oder Verleumdung,
• die Weitergabe als geheim klassifizierter Informationen,
• die übermäßige Kritik an eigenen oder ausländischen höchsten Staatsvertretern wie Staatsoberhaupt, Gerichten oder manchmal selbst einfachen Beamten,
• die Grenzen der Sittlichkeit und des Jugendschutzes,
• die Grenze der öffentlichen Sicherheit (in den USA rechtshistorisch häufig angeführtes Verbot des missbräuchlichen Ausrufes „Feuer“ in einem Theater), besonders relevant in Zeiten des zunehmenden Terrorismus,
• der unlautere Wettbewerb durch Diskreditierung der Ware oder Dienstleistung eines Konkurrenten. –

Wir beleidigen niemand mit Bemerkungen in unserem Blog, das sind alles reine und wertfreie Beobachtungen, die die in Sitzungen anwesende Öffentlichkeit / Presse ebenso macht/machen kann. Selbst wenn sich jemand in einer öffentlichen Sitzung mit Sudoku beschäftigt, wird das halt wahrgenommen.
Des Weiteren äußern wir uns auch nicht öffentlich in mündlicher Form abfällig über Abwesende wie zum Beispiel im Verwaltungsausschuss geschehen oder bei der VW Betriebsversammlung, wo mit Blick auf den Namenszettel auf einem freien Platz ungezügelt abschätzige Bemerkungen über die abwesende Person gemacht wurden!

Zu Vorlagen, Protokollen etc. in elektronischer oder in Papierform wurden zwar Meinungen kundgetan, es gab aber keine weiterführende Diskussion oder gar Konsens.

Abschließend mal ein paar Zitate:
Es ist immer sehr schwierig, über den Wert politischer Ziele zu urteilen, wenn deren Erreichung noch in weiter Ferne liegt. Ich glaube daher, dass man eine politische Bewegung nie nach ihren Zielen beurteilen darf, die sie laut verkündet und vielleicht auch wirklich anstrebt, sondern nur nach den Mitteln, die sie zu ihrer Verwirklichung einsetzt.
Werner Heisenberg

Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen.
Konrad Adenauer

In der Politik ist es wie im Konzert: Ungeübte Ohren halten das Stimmen der Instrumente schon für Musik.
Amintore Fanfani

Gegner glauben uns zu widerlegen, indem sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsre nicht achten.
Johann Wolfgang von Goethe

Piri